Shhh, erzähl's weiter: Alexander Lech

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Alexander Lech vom Büro Hallo hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und seine kreative Arbeit vor.




Meine Name ist Alexander Lech. Ich bin Kommunikationsdesigner und studiere in Dessau im internationalen Masterstudiengang Integriertes Design.
Ich komme aus Sachsen-Anhalt und habe mich schon während des Studiums mit einem Kommilitonen in Dessau selbstständig gemacht.
Wir haben beschlossen in der Heimat zu bleiben.




Design machen wir meistens so:
Wenn ein Bäcker darüber klagt, dass er zu wenig Kundschaft hat, würden wir ihm nicht gleich raten seine Ladenbeschriftung größer und leuchtender zu machen. Es könnte ja daran liegen, dass seine Brötchen einfach nicht schmecken. Wenn's aber daran liegt, dass der Laden schwer zugänglich ist, würden wir ihm, statt ein Leitsystem zu installieren den Gehweg pflastern. Sollte die Bäckerei aber ein Fleischer sein und sich in einem Viertel befinden, wo viele Vegitarier wohnen, würden wir ihm raten Blumen zu verkaufen. Wir glauben Design ist eher die Idee statt das Medium, in dem es sich ausdrückt.


Collage und Text: Alexander Lech

Heimlich: Ana Janeva im Heimat Zine

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Ana Janeva hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.



Als Kind des Ostens verbrachte ich meine Kindheit teils in Bulgarien und teils in der DDR. Mein persönlicher Hintergrund veranlasste mich schon früh, Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Frauenrechte ernsthaft auszuloten. Davon sind auch meine Arbeiten sehr stark geprägt. Nach dem Kommunikationsdesignstudium mit Schwerpunkt Illustration, begann ich als freie Illustratorin für Zeitungen, Verlage und Magazine zu arbeiten. Daneben verwirkliche ich eigene Buchprojekte und illustriere Objekte und Möbel.




"Manchmal ist Schweigen Gold und manchmal hat man damit ganz viel Pech.

Ausgangspunkt für meine Arbeit ist die Frage, ob ein Geheimnis immer gut ist – diese Ambivalenz spiegelt sich in meiner Illustration wider."


Illustration und Text: Ana Janeva

Shhh, erzähl's weiter: Anna Michallik

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Anna Michallik hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.



Ich habe ein abgebrochenes Studium in Architektur und im Moment versuche ich mich mit einem dualen Studium in Mediendesign. Vor meiner Studentenzeit habe ich eine Ausbildung als Grafik-Designerin gemacht. Babytiere, Turnschuhe und mein Snowboard finde ich mehr als klasse und ich liebe es mich kreativ auszutoben. Mein Vorbild war von klein auf und ist immer noch Pippi Langstrumpf, obwohl ich schon 22 bin. Von ihr habe ich mir wohl die direkte und ehrliche Art abgeschaut. Romane finde ich ziemlich langweilig, wenn dann muss das Buch oder die Zeitschrift es etwas mit Design zu tun haben. Meine nächsten Ziele sind: Bachelor of Arts in Mediendesign, Stockholm und Amerika bereisen und mit meinem Freund in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen.


Foto: Anna Michallik

Heimlich: Maria Bayer im Heimat Zine

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Maria Bayer von Woher Kommen und eine der zwei Gastfreunde hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.




Ich fotografiere gerne und auf Film. Ich schreibe und schreibe am liebsten über Dinge, die mich bewegen. Mich bewegt meine Heimat, mich fasziniert die Ferne. Mich interessieren Menschen, am liebsten ehrliche. Bücher mache und habe ich gerne.








"Heimat ist vieles, Heimat ist alles. Meine Heimat ist mir ein Rätsel.
Meine Heimat ist ein Geheimnis. Vielleicht will ich nicht, dass jeder ganz genau weiß, was meine Heimat ist.
Vielleicht soll sie mein Geheimnis bleiben.

Unscharfe Fotos. Traumhafte Fotos. Idealisierte Orte. Unklar."


Foto und Text: Maria Bayer

Heimlich: Fanny Valentin im Heimat Zine

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Fanny Valentin hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.



Wer ist Fanny Valentin? Wir wissen es nicht, aber sie hat viel mit uns zu tun. Wieso eigentlich sie und uns? Bleiben wir bei Fanny Valentin. Die Worte »Fanny« und »Valentin« sind sehr eng mit den Menschen dahinter verbunden. Oder dem einen Menschen? Wir wissen es nicht. Fanny Valentin hat viele Launen. Am liebsten ist FV leise, zurückhaltend und schwarz/weiss mit einem gelegentlichen Tupfer Farbe. Im Grossen und Ganzen vielleicht ein bisschen zu sehr schwarz/weiss, wer weiss? FV möchte einfach sein und manchmal zu viel davon. Leben und leben lassen ist vielleicht auch so ein Credo und Eierkuchen essen.


Vor kurzem bekam FV eine Mail mit den Worten: »Liebe Fanny Valentin, normal recherchiere ich Menschen die mich interessieren im Netz, bei dir fiel mir das nicht so leicht und vielleicht ist diese Tatsache gerade noch viel interessanter...«  Das war Freude pur. Ihr seht, Fanny Valentin ist umgeben von einem Geheimnis und was würde passen ins Heimatzine #3 passen?



"Dieser Garten, diese Pflanzen, dieser Blick. Keiner spricht. Man will gar nicht hineingehen, aus Angst, etwas zu zerstören. Wir verweilen eine Weile dort und reden nicht viel. Man muss hier nichts sagen. Hier ist alles klar, es ist ein Ort, an dem Wunder geschehen."


Bild und Text: Fanny Valentin

Heimlich: Claudia Voglhuber im Heimat Zine

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Claudia Voglhuber von WIDEEYED hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.



Mein Name ist Claudia Voglhuber, ich bin 33 Jahre alt und es ist noch gar nicht lange her, da habe ich mit meinem Freund die Großstadt gegen das Landleben getauscht. Wir wohnen nun in einem kleinen Häuschen mit Garten.
Ich habe ein kleines Label, das WIDEEYED heißt. WIDEEYED deshalb, weil ich mit offenen Augen durchs Leben gehe, manchmal allerdings etwas zu blauäugig. Meine Kreativität auszuleben ist für mich so wichtig wie die Luft zum Atmen. Neben grafischen Projekten illustriere ich, schnitze Stempel, bedrucke Papierwaren, häkle originelle kleine Teppiche, nähe, entwerfe Stoffmuster und seit Anfang des Jahres übe ich mich im Holzschnitt. Meine Arbeiten sind plakativ und bunt und meist heiterer Natur.



"Die Abgründe der menschlichen Psyche haben mich immer schon interessiert. Was ist das Böse? Was muss in einem Menschen vorgehen, der schlimme Fantasien tatsächlich in die Tat umsetzt? Beim Thema 'Geheimnis' musste ich spontan an Menschenfresser denken und ihre geheimen Gelüste. Die Hand, altgermanisch hant, 'die Fassende, Greifende', hier auf dem Teller serviert, als Symbolbild für das Unbegreifliche."

Heimlich: Christine Schwindack im Heimat Zine

Für die dritte Ausgabe wollten wir von euch wissen: Wie ist das eigentlich mit den Dingen, die wir für uns behalten? Christine Schwindack hat uns nicht nur in die Interpretation dieser Frage eingeweiht, sondern stellt auch sich und ihre kreative Arbeit vor.



Ich bin Christine Schwindack oder Anselms Mama. Mein künstlerisches Schaffen beschränkt sich darauf, Lebenskünstler zu sein, da ich außerdem die Mama von Johann, Anna und Katharina bin. Die Anteilnahme und Begleitung meiner Kinder in ihren Entwicklungsphasen inspiriert mich zum Nachdenken und zur Selbstreflexion, um mich an einem Text  oder an der Einübung eines Musikstückes zu versuchen, das man dann vielleicht gemeinsam musizieren oder sich zur Freude vorspielen kann. Sie sind neben der Musik meine Kraft und Lebensfreude. Die Beobachtung und liebevolle Begleitung von Kindern und des Kindes in uns ist meine Lebensaufgabe. Ich bin Wegweiser.



Geheimnisse sind geheim – im Verborgenen, unsichtbar, im Dunkeln. Deshalb gibt es keine Bilder dazu. Manchmal taucht ein Zipfel auf, wie im Nebel, gibt uns Rätsel auf, macht uns fragend: „Was mag da sein? Was verbirgt sich hinter dem Schleier?“
Ich möchte von einem Familiengeheimnis erzählen, auf das ich gestoßen bin, als ich rechnen lernte und begann, die Geburtstage und Geburtsjahre meiner Familienmitglieder bewusst wahrzunehmen.
Ich bin noch in einer Großfamilie aufgewachsen mit Eltern und Großeltern in einer Wohnung. Die Kriegsjahre mit Flucht und Gefangenschaft und dem Glück des Überlebens und Wiederfindens, die Not der Nachkriegsjahre hatten sie gelehrt, auch auf engem Raum zusammen zu leben. Die Eltern meiner Mutter wohnten ganz selbstverständlich bei uns, so lange ich denken konnte.
Wie kam es aber, dass Opa nur 15 Jahre älter war als meine Mutter? Und wie kam es, dass im Familienstammbuch meiner Eltern bei meiner Mutter nachträglich mit ihrer Handschrift der Name meines Opas als Vater eingesetzt war? Ich wagte nicht danach zu fragen!
War meine Mutter, Jahrgang 1917, das lebende Ergebnis einer Soldatenliebe? War sie unehelich geboren? Hat meine Großmutter sie allein groß gezogen? Hat Opi eine ledige Frau mit Kind geheiratet – eine Schande zur damaligen Zeit? Warum hatten sie keine gemeinsamen Kinder mehr? Oder war er doch der leibliche Vater – mit 15 Jahren? Eine Jugendsünde?
Bis heute ist dieses Geheimnis nicht gelüftet. Nie wurde darüber gesprochen – aus Angst, Wunden aufzureißen? Auch mein Bruder weiß nichts Genaues. Dieses Geheimnis wurde mit ins Grab genommen.
Aber wir wissen und haben erlebt, dass Opi die Omi in Liebe angenommen hat, ein Leben lang für seine Familie gut gesorgt hat auch in Zeiten von Hunger und Not zu ihr gestanden hat.
Und er war der Vater meiner Mutter ein Leben lang, zumindest für mich. Was zählt mehr?


Bild: Heimat Zine
Text: Christine Schwindack